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Omas Gurkensalat läutet den Frühling ein

Aus unserer Serie „Frühlingsgefühle auf dem Teller“ – heute von Karsten

Wenn mich meine Oma fragt: „Mein Kind, was möchtest Du gern zum Mittag essen?“ – schenke ich ihr nur ein Lächeln. Nonverbale Kommunikation, die funktioniert. Oma nickt dann immer und spricht: „Mein Kind, Du und Dein Gurkensalat – wie immer mit Pellkartoffeln und Spiegelei.“ Wichtig zu wissen, Oma wohnt in einem sächsischen Dorf mit einem ganz eigenen Dialekt. Deshalb hier einmal die Lautschrift, damit das Kopfkino so richtig in Schwung kommt: „Mehn Gind, Duuuhhh und Deeeen Jurgensalad – nu freilisch mid Äbern und Eijjern.“ Okay – wir bleiben bei der hochdeutschen Schreib- und Sprechweise. Versprochen.

Mein schönstes Erlebnis mit Omas Gurkensalat liegt nunmehr 25 Jahre zurück. Es war ein wundervoller Frühlingstag – Sonne satt, trockene Straße und 17 Grad Celsius. Perfektes Wetter für eine Radtour. Doch wohin? Mein Freund und ich beschlossen, meine Oma zu besuchen – 25 Kilometer einfache Strecke. Perfekt. Kurz bei Oma zum Mittag angemeldet – und ab ging die wilde Fahrt.

Pünktlich zum Mittag trafen wir bei Oma ein – der Tisch war schon gedeckt. Eine riesige Schüssel Gurkensalat, dazu ein Topf mit Pellkartoffeln und sechs Spiegeleier – alles nur für die Jungs. Was Oma nicht bedachte, mein Freund und ich betrieben mit unseren 17 Jahren fast täglich Sport. Und wir waren hungrig. Sehr hungrig. Kurz zusammengefasst: Wir aßen alles auf – und als Oma in unsere Gesichter schaute, sah sie: Die Jungs haben noch Hunger. Ein kurzes Nicken ihrerseits und schon erhob sie sich vom Tisch und schlenderte mit dem leeren Topf über den Hof zum Hühnerstall. Nur Sekunden später standen wieder Kartoffeln auf dem Tisch. „Jungs, das sind die Kartoffeln aus dem Dampfer – die waren eigentlich als Hühnerfutter gedacht. Nun ja, da muss das Federvieh wohl noch eine Stunde länger auf sein Mittagessen warten.“

Und was soll ich sagen, auch die Kartoffeln für die Hühner – oder wie meine Oma sagt „de Hinner“ – wurden komplett durch uns vertilgt – inklusive des Gurkensalats. Natürlich mit Gurken aus dem eigenen Gewächshaus, die Oma schon mit Frühlingsbeginn ernten konnte. Und den frischen Eiern vom eigenen Hof.

Doch was macht Omas Gurkensalat so besonders? Ganz einfach: die Einfachheit. Gurken in Scheiben raspeln – dazu in gleichen Mengen Milch und süße Sahne dazugeben, das Ganze mit ordentlich Salz und Pfeffer würzen. Punkt. Fertig.

In diesem Sinne: Macht Euch mal einen schönen Gurkensalat mit Pellkartoffeln und Spiegelei.

Ich wünsche einen guten Appetit.

Karsten bereit für den Gurkensalat

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